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Poesie
 
 
 

Für DIE ZEIT zum 60-sten - Deutschland im Februar 2006

Wegen der Zeit - H. H. in Erinnerung Gewidmet den Journalisten

Von BURKHARD KUNZE


"Im düsteren Auge keine Träne",
sie sitzen am Schreibtisch "und fletschen die Zähne":
"Deutschland", du webst "dein Leichentuch",
wir schreiben dir mit "dreifache(n)m Fluch",
wach´ endlich auf,
die Miseren haben Stinkgeruch!
Hast du immer noch nicht genug?
Wir schreiben, wir schreiben.

"Ein Fluch" dem Mammon, "
zu dem wir gebeten"
In Winterskälte" und sozialen Nöten;
"wir haben vergebens" geschrieben gewarnt,
ihr habt nicht gelesen, gehört - nur "genarrt".
Wir senden, wir drucken,
unbeugsam, kein Ducken!

"Ein Fluch" dem Mächtigen, dem Kumpan der Reichen,
den unser Absacken nicht konnt´ erreichen,
der redet: die Rente ist sicher und weiß,
der Arbeitsplatz futsch, perdu,
der das Verdiente aus uns presst,
unser Erspartes uns nicht gönnt,
die haben doch selber die Zeit verpennt.
Wir schreiben, wir senden,
wir senden, wir schreiben!

Ein Fluch den Bornierten, den Dummen, den Egomanen,
sie wissen´s genau, wir soll´n es nicht ahnen.
Wo jede Idee, wie "Blumen früh gekickt",
"wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt".
Wir schreiben, wir senden.

Das Wort, es fliegt, der "PC" kracht,
wir schreiben emsig Tag und Nacht" -
Deutschland im Herbst,
auch am Beginn des 21. Jahrhunderts?
Wir warnen, wir schreiben:
Web´ nicht "dein Leichentuch".
Wir warnen dich unentwegt,
web´ nicht hinein "den dreifachen Fluch"!
Wir warnen, wir schreiben,
wir senden, wir warnen!



Anm. Angeregt durch Heinrich Heine, "Die schlesischen Weber",
in Heinrich Heine, Band 1, Gedichte, Insel Verlag Frankfurt am Main, 1968
Ein Dankeschön an alle ZEIT-Macher von Burkhard Kunze. Dauerabonnent seit 1963.
Mit freundlichen Grüßen Burkhard

POESIE – ?

DIE IDEE, Mensch!
Von Burkhard Kunze
Die Idee!
Deine Idee? Jawohl,
meine Idee!
Eine Idee,
eine gute Idee!
Eine wirklich gute Idee!
Eine richtige Idee!
Eine wichtige Idee!
Eine brauchbare Idee!
Eine zu verwirklichende Idee!
Die Idee, sie würde ändern. Die Idee schafft Neues.
D i e Idee ist was Gutes!!
Die Idee – Vorstufe zur Lösung?
Die Idee – Treibsatz zur Landung?
Idee, Idee, Idee – Mensch nee!
Ideen gehören in Form gegossen,
formen die Idee für Mitgenossen.
Erst wenn andere deine/meine Idee begreifen,
wird sie zum Projekt, zum Greifen.
Darum: Greif auf die Idee,
zum Projekt mache sie,
erwecke sie zum Leben,
was kann es bess´res geben?


REDEN. Von Burkhard Kunze

Reden ist Silber,
Schweigen sei Gold,
so meint es das Volk.
Doch reden teilt mit,
gibt Futter,
ein weiterer Schritt.

Durch Schweigen magst vornehm Du im
Dunklen bleiben.
Erst das Reden jedoch, eröffnet den Reigen!

Der Demokrat. Von Burkhard

Kunze Kommunikation, Interpretation,
Interpunktion, Kollision,
abstrahieren – kollabieren,
nicht reden, nicht sehen, nicht hören,
babylonisch beschwören,
das ist es,
was der politische Alltag treibt,
Demokrat, hör hin, sag nein,
wenn Du erkennst, die sind gemein.

Ideen-Projekte ab Mai 05

1. Aufsatz: In die Welt geworfen bis hin zu r Frage, warum muss sich die Wirtschaft eines Landes den gesellschaftspolitischen Bedingungen anpassen?

Nur ein Gefühl? Von Burkhard Kunze

Sexualtriebe – Naturtrieb, kunstvoll und aufwendig verpackt: Liebe?
Liebe – nur ein touch zum Selbstbedarf?
Ehe – nur Sicherung des männlichen Sexualbetriebes?
Er – will Sex?
Sie – will sein Geld?
Sie und Er, sie stehen auf eigenen Beinen – Vierfüßler?
Familie – nur die Folgen der Ehe?
Familienleben, nur eine soziale und wirtschaftliche Sozietät?
Familienbeziehungen neurotisch – unerwiderte Liebe?
Kinder: Monster - Zukunft?
Jugendliche – nichts Halbes, nichts Ganzes?
Schüler – Bestien?
(„Sie sind nicht böse, sie sind nur, da niemand sie zähmt, von einer wilden, pubertären Kraft erfüllt, gepaart mit einer geradezu sportiven Bedenkenlosigkeit. Sie wollen spielen, das ist alles. Für eine Tragödie langt das nicht.“)
JULI ZEH,. Spieltrieb, Roman, 2004

Heranwachsende – immer noch pubertär, illusionär, vulgär?
Erwachsene – Singl.
Das Gefühl Liebe – sehne Dich süchtig.

Bewunderung! Von Burkhard
Kunze Aus der „Tiefe des Fernsehsessels“ die Welt kommentieren.
„… dass das Gute mal wieder nicht am Siegen ist.“
Was ist eigentlich tatsächliche bürgerliche Scheiße?
Und,
was eigentlich ist avantgardistische Scheiße?
Ein „zweites Ich, um das wacklige primäre Ich zu stabilisieren“.
Das Heim, das Haus – ein Hockergrab?
Das ist doch diie Lösung für unser Leben: da wird Schaden angezeigt
und gleichzeitig verscheucht –
nur, wohin?
Das Tagebuch – ein Kummerkasten, „Tränenkrüglein, Rotzlappen“
oder
nur ein Gedankengrab –
immerhin für so lange, wie das gebleichte Papier hält
Ich, Ich, Ich – Du, Du, Du –
machen w i r den Laden zu!
„Schreiben Sie mal was für uns, wird auch gut bezahlt!“ Na also!

(Zitate aus „Rotzlappen, Tränenkrüglein – zu Peter Rühmkorfs 75. Geburtstag …“ von Gabriele Killert in DIE ZEIT, Nr. 44, 21.Okt. 2004)

H O F F N U N G ?

Das kleine Hoffnungswörtlein:
„Wenn Du denkst, es geht nichts mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her“,
ist hoffnungslos und hoffentlich Hoffnung zugleich?
Darum hoffe, wer da hoffen mag,
der Hoffnungslose sei beklagt,
Denn wenn die Hoffnung mal gestorben ist,
bist Du es, der nun nichts vermisst.
Dann gehst Du leichter, doch das ist schwer,
darum muss die Hoffnung her.



Greifmatt:

Wenn nichts mehr greift,
im Politischen, wie im Privaten,
der Rückzug greift,
„die Verlockung einer stillen Irrenanstalt
am Rande der Stadt.“ (Peter Rühmkorf )



Der Abgang

Der Abgang kommt,
als Abgang geht,
wer da bleiben will – nicht geht.
Du sollt nicht klammern,
sollst nicht kleben,
darfst über die Sach´ Dich nicht erheben.
Drücke Dich nicht,
bleib´ standhaft,
erkenne die Zeit,
irgendwann ist es mal so weit!



Die Biografie.

In jungen Jahren schon,
ein strammes Leben,
willst Du zu Papier schon geben?
Was kommt danach, was bleibt da noch?
Na klar, das Geld, die Welt, der Genuss in Braus und Saus! Pass´ nur auf, sonst bist Du raus!



Der Anfang.

Aller Anfang sei schwer, so wissen die Leute.
Doch wo anfangen? Fang den Ball? Und dann gibst Du ihn nur weiter?
Wo bleibt die Solidarität, der Mitspieler, der abnimmt und abgibt?
Der Anfang? Fange an!
Der junge Mensch, er will! Doch das Spielfeld, die Regeln –
Alles nur April?
Zum Scherzen sind die nicht aufgelegt,
viele Gemüter nur erregt!
Alle, auch die Alten, sie brauchen die Balance –
Darum gebt den Jungen ihre Chance!

„Schreiben Sie mal für uns, wird auch gut bezahlt!“ Na also, geht doch!

D a s R a d i o – nachrichtlich zur Übermittlung!

Was macht es?
Es lacht,
es weint,
es zischt,
es kreischt,
es säuselt,
es wummert,
es stresst,
es unterhält,
lenkt ab,
es informiert,
es dröhnt,
es verführt,
es regt an,
es regt ab,
es relativiert,
macht neugierig,
macht stumm,
füllt den Raum,
vertreibt die Stille …
Was macht Dein eigener Wille?
Was machst Du, das meint hier: Ich.
Ich höre hin und denke mit, versuche zu begreifen, zuzustimmen, ganz bestimmt!
Bis alles nur im Ohr verschwimmt.
Drum drück´ die Taste: on or off.
Kommt die Stille über Dich, sei nicht ängstlich, Du bist nicht allein,
die Stille ist bei Dir! So ist das Sein!
Machst Du das Radio on, - die Welt, sie hat Dich wieder!

DEMOKRATIE?!

Jetzt oder nie!

Du kannst wählen,
Deine Kreuzchen machen,
alle vier Jahre!
Aber das ist auch alles.
Dein Gewicht durch Abgabe Deiner Stimme? I
ch glaub´, ich spinne,
zählt nicht allein,
kannst nichts gewinne´,
Du zählst als Stimmvieh nur,
in der Herde, in der Masse.
„Die Würde d e s Menschen …“,
ganz allein, das Individuum - , es wird erwürgt, man sieht Dich dumm,
Dein Kreuz allein auf weiter Flur, bewirkt doch nichts,
und ist doch nur,
ein Alibi, ein Nichts, es zählt nicht,
hält Dich nur im Glauben fest.
Hingegen, in der Masse, der Mehrheit, bist Du dann,
der Wähler, allein auf den doch kommt es an.
Der Kreuzchen nur, ein Fliegenschiss. -
Der Kreuzchenwähler, - jetzt mit Biss,
erkennt und darin er in Gewissheit denkt,
ohne Volksabstimmung bist Du beschränkt!
Nicht die Todesstrafe, nicht das Leben ewiglich,
steht zur Wahl, - nein lediglich,
Dein Leben, jeden Tag, zur Erleichterung die Lösung, ein Gewinn,
da allein macht Volksabstimmung doch noch Sinn.

Die Frau für´s Leben.

Sie ist weg, die Frau für´s Leben,
ausgeblieben,
nicht mehr da. Sie kommt nicht wieder,
wie sie sagt,
nach Überlegungen gründelich.
Doch was für Gründe? Welche Denke?
Keine Gründe, nur Gekränke,
über zwanzig Jahre in den Sand gesetzt,
gehofft, gebeten, ein paar Veränderungen hin zum Guten,
damit es besser geht.
Alles nur Gewöhnung,
jetzt nur Höhnung,
wo blieb die Liebe, der Wunsch, die Hoffnung,
das alles gut noch werde?
Nichts! Ruf nicht mehr an!
Wenn es klingelt, geh´ ich ran.
Doch nichts von ihr, kein Signal, kein Zeichen,
Es ist, als tut die Luft entweichen.
Das Seelenpolster schlapp und schlapper, einfach kriminell
Und das Schlimmste – alles geht so schnell
und Zeit verrinnt, zerrinnt, als Tropfen tropft sie ab,
und was noch vor dir liegt, du wagst es nicht zu denken.
Das Leben senkt sich, geht zur Neige,
Du kannst nur deine Gedanken lenken.
Dein Kummer? Lieber schweige.
Kassel, 1. November 2004

Die Scheune brennt! Von Burkhard Kunze

Da bist Du ja wieder.
Na? Und?
Kommst du zu sehen, meine abgebrannte Scheune?
Sieh mal, die Trümmer rauchen noch!
Hm, wie das? Wusste ich nicht, habe ich so nicht bemerkt.
Na ja, der Brand wurde auch mir erst spürbar,
da warst Du schon weg.
Für den Fall, lösche ich locker, dachte ich.
Sie weg, um zu suchen neue Arbeit,
arbeitslos, das ist ein Schlag in die Magengrube, unfair und schmerzhaft,
eine Beleidigung auf höchster Stufe.
Und dann der, der, der ist es, für mein Kind.
Fröhliche Rückmeldung: alles o. k. , muss ihn kennen lernen!
Sie, die Junge, mit wenig Erfahrungen,
er, der Alte, mit Erfahrung, welchen auch immer,
das wird doch nur eine Pleite, wird nicht funktionieren,
- aber Du musst sie lassen.
Vielleicht wird gerade dadurch sie Dein Gewinn.
Sie erobern?
Der Wahnsinn, Du musst durch die Hölle deiner Gefühle.
Auch sie wird durch ihn geschüttelt, liest Du mehr zwischen dem Gesimsten.

Hoffen, bangen - die Scheune brennt schon lichterloh - kein Löschen möglich, wie auch?
SMS jagen hin und her, wie gegenseitiger Beschuss.
Die Kugeln, schmerzhaft ihr Pfeifen, ihre wenigen Treffer, kaum auszuhalten.
Die Situation, du hängst mit dem Schädel über dem Abgrund des Verlusts.
Du willst kotzen. Die nächste Kugel verheißt wieder Hoffnung, sie traf nicht.
Dann wieder Volltreffer: sie ist verloren und Du fertig.
Und so immer hin und her.
Du sagst Dir, warten, warten, aushalten, aushalten, durchhalten, halten, verhalten.
Und die Scheune brennt lichterloh. Ist auch nicht mehr zu löschen.

Was da eigentlich abbrennt? Berge von Ballen,
so aufgerollt wie der Bauer sein Heu einbringt.
Ja, geballte Ballen zum Lieben, zärtliche Gefühle,
Ströme der Sehnsucht auf Erfüllung, Vertrauen geben, Geborgenheit -
so, wie auch sie es wünschte, -
geballtes emotionales Engagement, Begehr, das zärtlichste Spiel,
was Du Dir denken kannst, die Freude,
die Lust, das Glück, das Wonnegefühl, die tiefe Zufriedenheit, die Luft voller Heiterkeit und Leichtigkeit, gesund sein,
beflügelnd, den Rest des Lebens mit leichter Hand zu besorgen.
Und das, das da in der Ecke, ganz hinten?
Ach ja, die Erinnerungen, die alten Hoffnungen, die unerfüllten,
nun doch noch erfüllt!?
Vergleiche, Dein Pessimismus, die fehlende Einsicht - das ist vorbei, das kommt nie wieder.
Und da war ES DA, einfach so, da, vehement, wie ein Sturm und dilettantisch,
richtig krumm und schief. Dieses Aufeinanderstürzen, das Wiegen im Arm,
der Geruch, die Dunkelheit, die Verschlingungen, - das dichte Beieinander, der tiefe Schlaf, -

Da schon wieder "ploin", das handy ruft, sie sagt Dir was,
aber nein, nur Sendung bestätigt, das angekommen. - Der Kreislauf!

Die Scheune, sie brennt ab, viel Rauch und Glimmen.
Der Verlust ist groß, das Misstrauen, das Vertrauen, - was für ein Verständnis? D
u verstehst es nicht.
Was machst Du nun? Die Brandstifterin verbrennen, auf den Scheiterhaufen?
Ins Wasser jagen? Aus dem Haus? Aus Deinem Leben, aus der Erinnerung?
Retten, was doch noch zu retten ist? Die Trümmer zusammen aufräumen?
Den Dreck wegschaffen, tabula rasa? Und neuen Dreck machen?
2004, Burkhard Kunze, Kassel

Ach - die Rentner! Von Burkhard Kunze

Lasst doch endlich die Rentner in Ruhe!
Die leben doch schon in Todesangst.
Lasst ihnen ihr bisschen Opium.
Was blieb ihnen, ihre Rente - weniger als vorher.
Und damit müssen sie unter uns auskommen.
Dürfen sie nun noch ein wenig genießen, sich wohl fühlen?
Nicht immer Geld im Kopf - wird es reichen?
Ihre Lebensleistung? Die sollten wir vergessen?
Die heutigen Beitragszahler?
Wir haben sie gezeugt, geboren, in sie investiert,
zwanzig, siebenundzwanzig Jahre lang,
ohne zu murren, es war selbstverständlich!
Einmal ohne Existenzsorgen?
Das Restleben frei - soweit der Körper mitspielt.
Vielleicht sich mit den Zipperlein versöhnen.
Das Leben rennt immer kürzer, du fühlst es krachen.
Warum sie dann noch kürzen - die Rente? -
Übrigens, wenn Ihr dahin kommt, kommt Ihr auch da hin.
Darum: wir machen es - einfach!
 


An den Leser,

den Neugierigen,
den Beziehungsgeschädigten,
den Verstörten,
den Enttäuschten und woran Sie sonst noch leiden,

hier ein Trost durch
Poesie,
wie sie trösten, hoffen, wirken kann.
Traut Euch,
Männer,
Frauen (?),
es gibt was zu retten,
wenn Ihr retten wollt!

Angeregt von RAINER MARIA RILKE
in "Gesammelte Gedichte", Insel-Verlag, 1962

Titel der Gedichte:
Herbsttag - Herbst - Einsamkeit - Vorgefühl - Erinnerung - Zum Einschlafen ...

Für sie war eine Form zu suchen, die heutigen Fragestellungen nachspürt und einen Ausdruck findet, der sich mitteilen lässt.

© 2004 by BURKHARD KUNZE
 

Anleitung für Ihn an Sie: es ist Zeit, mich Dir schriftlich zu erklären. So kannst Du über den Tag hinaus festhalten, was Dir bedeutsam.
 

1. Du solltest wissen, es ist Zeit

Mein Leben war so, wie es war.
Leg Du Deine Hand auf Dein Herz ( Sonnenuhr)
Und auf die Weiten Deiner Vergangenheit,
lass das Gewesene los.
Befiehl Du Deinem Leben morgen voll zu sein,
gib Dir noch südliche Tage,
dränge zur Vollendung
hin und jage die letzte Süße in Dein Leben ein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt doch allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Ferngespräche führen
und wird auf eigenen Wegen hin und her -
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
2. Auch, wenn die Blätter noch nicht fallen,
sie werden fallen, wie von weit,
als welke Hoffnung, die einst so gläubig machte.
Die Gedanken, nun, sie fallen mit verneinender Gebärde,
sie geben auf, sie nichts mehr wollen, sie lassen los.
Und in den Nächten fallen schwere Träume,
aus dem Hoffen in die Einsamkeit.
Wie alles fällt, so auch Dein Herz wird fallen.
Sieh´ Dir andere an: es ist in allen.
Und da ist einer,
welcher dieses Fallen vor der Unendlichkeit
doch noch sanft begleiten will.

(Nachgespürt bei Rainer Maria Rilke in "Herbsttag" und "Herbst".)

Kassel, im Mai 2004 - von Burkhard Kunze
 
Einsamkeit
Ist sie wie ein Regen oder nichts - nur allein?
Wo kommt sie her, wo steigt sie hin?
Aus Weiten, die wir nicht kennen
oder Gründen, die wir nicht wissen wollen?
Steigt sie nach oben, senkt sich auf Dich herab
sie umfasst Dich, wie das eigene Grab.

Senkt sich hernieder zu den eigenen Stunden,
nicht nur nach Morgen - mitten in der Nacht
und die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander Hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:
Dann wird die Einsamkeit zum Sturz ...

(Nachgespürt bei Rainer Maria Rilke in "Einsamkeit")

Nachtrag: Merke, willst Du vermeiden diese Pein,
Stell ´dich auf Deine Liebe ein, die Du gibst, wird nicht vergebens sein!
Kassel, im Mai 2004, von Burkhard Kunze
 
Vorgefühl

Ich fühle mich wie ein zerzauster Baum im weiten Land.
Ich erlebte die Winde, ihr Rütteln und hielt sie aus.
Während die Dinge, dich ich will rühren, sich nicht bewegen.
Die Zugänge versperrt, verklemmt, rien ne va plus!
Das Fenster, nichts zu erkennen, überall nur Staub
oder ist es Nebel, der sich lichten wird?
Und doch, ich spür die Stürme schon, bin erregt wie das Meer.
Ich breite mich aus, verlange, fühle den Durst,
schlage mich rum und bin doch allein,
stürmt nun der Sturm oder lässt er es sein?

(nachgespürt bei Reiner Maria Rilke in "Vorgefühl")
Kassel, im Mai 2004 von Burkhard Kunze
 
Erinnerung

Und doch, du wartest wieder, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt; Reichsein schafft;
das Große, Mächtige, das ungemein Gemeine,
sogar das Erwachen der Steine in dir,
Tiefen, sie wenden sich dir zu.

Es dämmern im Schrank der Kleider,
die Sachen, die Dinge in Bunt und Gold ;
du denkst an durchstreifte Tage oder gar Jahre,
Erinnerungen, Bilder, Worte,
du denkst an sie, die Frau´n.

Und da weißt du auf einmal: das war es, das sollte es
sein!
Du erhebst dich, und hinter dir liegt
wieder nur ein Jahr der Pein
Verlust, Angst - oder doch ein Hoffnungsschein?

(nachgespürt bei Rainer Maria Rilke in "Erinnerung")
Kassel, im Mai 2004 von Burkhard Kunze
 
Zum Einschlafen zu sagen

Ich möchte Dich einsingen,
bei dir sitzen und sein.
Ich möchte Dich wiegen und besingen
und Dich begleiten schlaf aus, schlaf ein.
Ich möchte der Einzige sein an Deinem nächtlichen Lager,
der weiß, Du kannst nicht alles haben.
Ich möchte horchen, in Dich, in mich, in die Welt hinein.
Die Zeiger, von der Zeit gejagt, Du fühlst, nichts steht still,
es läuft, es rennt - Dir davon?
Der Wunsch ist groß, die schönsten Träume Dir -
Träumst Du für mich mit?
Ich habe groß, nicht nur die Augen auf Dich gelegt;
Alles hält Dich sanft, lässt Dir den Atem, frei den Raum.

Und dann:
Sing Dein Lied für mich, mit Wort und Ton,
beweg Dich im Tanz, werde wach, wach auf!

(nachgespürt bei Rainer Maria Rilke in "zum Einschlafen zu sagen".)
Kassel, im Mai 2004 von Burkhard Kunze
 
"Nur Glück"

"... es ist die Zeit der tränenden Herzen,
Dicentra spectabilis.
Wen dieser Mai nicht froh gemacht, der kann es dennoch werden.
Glück ist machbar, jedenfalls nicht so eine hoffnungslose Angelegenheit,
wie jene, die durchhängen,
geneigt sind, zu meinen.

"Glück ...sei (?), ist anstrengend,
bedeute,
sich dem Sog des Unglücklichseins zu widersetzen,
das sich wie eine schlechte Gewohnheit
ins Leben schleichen könne.
Glück ist Arbeit ...,
sind nicht alle besessen von Arbeit,
wenn es um die Ehre geht oder um die Karriere ...?
Für Glück braucht es Aufbauarbeit ,
das Sammeln von guten Erfahrungen ... ...

wilde Wünsche zulassen,
alles tun, um sie umzusetzen,
... jeden Tag ein Risiko wagen.

... der unbedingte Wille,
eine Krise zu meistern.
... Glück nur erreicht,
wer über das eigene,
leicht zerkrümelte Ich hinausschaue,
in die Welt, wo Aufgaben warten ..."

"E quindi uscimmoa rivider le stelle -"
Dann traten wir hinaus und sahen die Sterne".
(Dante, wie er aus den Tiefen der Hölle wieder auftaucht)

(Nachempfunden SUSANNE MEYER, drei Buchbesprechungen "Nur Glück")
 
Bei
FEUER
im Haus
löscht
eine n a s s e Zeitung !

© 2004 Burkhard Kunze / meine-zeitung-kww.de