L e h r I i n g s a u s b i l d u n g s u m l a g e
von BURKHARD KUNZE


Moment mal, wer soll da umgelegt werden? Unsere Kinder, weil sie zu doof geraten sind, haben ihre Schulen verlassen und viele von ihnen werden erst gar nicht gebraucht. Andere haben mit Ach und Krach eine Lehrstelle gefunden, wieder andere nutzen die Uni als Warteschleife, die Glücklichen sind in Lernen und Brot, wieder andere tauchen erst einmal ab, lungern herum, finden sich in Klicken zusammen, planen spannenderes als Arbeit. Die finden ihre Meister und sind zum Einstieg gern ihre Handlanger. Viele haben heute in den simplen Kulturtechniken, wie lesen, schreiben und rechnen ihre Handicaps. Nicht zu gebrauchen, warum soll man sich mit denen herumschlagen, das hält nur auf, stört den Betrieb, außerdem sind sie zu teuer und später sind sie doch nicht zu übernehmen. Schauen wir also nur auf die nächsten Aufträge und schauen, was da kommt. So denken so gut wie alle. Warum für diese Gesellschaft Opfer bringen, jeder muss sehen wo er bleibt und, wir sind kein Wohlfahrtsverein. Schließlich geht es um das eigenen Überleben! Und auch so spukt es im Kopf. Und da wirft "der Staat", besser gesagt, die Regierung, den Knüppel dazwischen. So, als wolle man den Handwerkern und den Betrieben mal zeigen, wenn ihr euch verweigert, kriegt ihr es mit uns zu tun, wir legen Euch um. Aber im Ernst, wer nicht ausbilden will (Bosheit), und wer nicht ausbilden kann (Unfähigkeit) und welche Gründe auch sonst noch, der muss zahlen, denen, die ausbilden wollen. Aber das Bild der Verweigerer ändert sich, wenn sie die Ausbildung für ihre Lehrlinge bezahlt bekommen, sofort. Also wird wider weniger bezahlt. So rum oder so rum, das ist "typisch deutsch" und bist du nicht willig, brauche ich Gewalt, unter der Fahne des Gerechtigkeitsdenken. Das findet seine Befürworter. Und dann wird alles besser? Unsere Kinder sind unter der Gewaltfuchtel des Staates zu einhundert Prozent in festen Händen, lernen für ihr Leben, oder - um ihr Leben? Die wenigen Ausnahmen zählen nicht. So ist das in Deutschland und auch in vielen anderen Ländern. Aber es gibt wahrscheinlich kaum ein Land, das behauptet und sich so zu Gute hält, alles demokratisch fair und überzeugend lösen zu wollen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Der Appell an die freiwillige Umlage war gegeben, wegen der Verantwortung gegenüber der nachfolgenden Generationen. Deren Chancen, unsere Alterssicherung. Aber die potentiellen Ausbilder und eigentlich auch die Lehrerschaft, sie scheinen nicht zu verstehen, worum es für den Bestand unserer Gesellschaft geht. Opfer allein bei der Lehrstellenbereitstellung genügen nicht. Im Vorfeld Schule (Bildung) ist Opferbereitschaft erforderlich. Denn es greift eines immer ins andere, was auch systemisch genannt wird. Viele der jungen Leute haben angesichts der haarsträubenden Situation auf dem Ausbildungsmarkt viel Lebenszeit für sinnvolles Tun verloren. Sie wurden allein gelassen. Was ist es denn, wenn eine 17-Jährige fünfzig, sechzig Bewerbungen schreibt und nicht einmal eine Rückantwort erhält? Diese unglaubliche Zumutung 2003 geht schon wieder im Wahljahr 2004 unter. Mit Reformen, schon gar nicht mit einer gravierenden Bildungsreform, nicht ernsthaft zu rechnen sein. Wieder einmal werden die Anliegen unserer Nachfolgegeneration auf die lange Bank geschoben. Was für ein Frevel. Jeder Tierzüchter und Sportverein weiß, seinen Nachwuchs muss er päppeln, wenn er gewinnen will. Nur noch Pleiten, Pech und Pannen für unseren Nachwuchs? Das unser Nachwuchs mit eigenem Verständnis reagiert, muss niemanden verwundern. Er kehrt sich ab, widmet sich seinen Freunden, seiner Disko und dem täglichen Fun. Wozu groß in die Zukunft schauen, mit dreißig seien sie alt, und dann ist eh´ alles egal, was noch passieren könnte. So sollen auch noch die Wahrsager/innen in die Arbeitslosigkeit verbannt werden. Eine große Hoffnung, es wird alles wieder gut, lastet auf der Ganztagsschule, die mit letztlich sieben oder nun nur noch mit einer Milliarde Euro gefördert werden soll. Die ganztagsschule bringt den Eltern den ersehnten Frieden und die Entlastung, unser Kind ist nun gut versorgt, den Politikern, haben wir doch was gemacht, den Lehrern, wir wollten schon immer in der Schule aktiver tätig sein.   Ganztagsschulen werden mittlerweile als paradiesische Aufenthalts- und Versorgungsstätten geträumt. Wenn die eine oder andere Ganztagsschule auch stolz auf die eigenen Leistungen ist, so besagt das wenig und ist auf das Ganze gesehen, nicht relevant. Infrastruktur, Personalstruktur, Bildungsstruktur, Persönlichkeitsstruktur werden so viele neue Probleme hervorrufen, was nur bedeutet, wie haben ein neues Problem. Der Ausbau von Ganztagsschulen ist Zeitverschwendung und hält unseren Nachwuchs nur auf. Denn auch sie werden jedes Jahr älter.
Also, gilt es nach unkonventionellen Lösungen zu suchen, von denen Eltern, Schüler, Lehrlinge, Lehrer und Ausbilder, im Grunde die ganze Gesellschaft, nicht zuletzt auch die Politik etwas hat. Das wäre beruhigend, würde den Blick wieder nach vorn lenken. Auf diesem Wege würde es auch dem Ausbilder, der sich aus welchen Gründen auch immer heute scheut, einen Lehrling zu übernehmen, im Rahmen eines neuen Images ganz anders an die Frage der Lehrlingsausbildung herangehen und auch noch freiwillig! Er würde, weil es selber überzeugt ist, Opfer können sich auszahlen. Schüler, Eltern, Lehrlinge, Verantwortungsträger, Politik und weitere legen sich selbstmotiviert, eigenverantwortlich und selbstaktivierend ins Zeug, damit überhaupt wieder Leistungsfähigkeit möglich wird, vor allem aber, das eine geradezu sportliche Motivation hergestellt wird, die es so im Bildungssystem noch nie gab. So würde selbst das öffentliche Bewusstsein sich erneuern. Es würde wieder lohnen, mit anzupacken. Worin bestehen nun diese neuen Ansätze? Einer ist die nicht notwendige Ganztagsschule. Nicht sie ist der Lernort, nein, die Region, in der wir mit unseren Kindern leben, ist der Lernort. Sie muss nur als solcher gesehen, verstanden und genutzt werden. Wo liegt der Lösungsweg? Wie kann Freiwilligkeit hergestellt werden? Nicht nur bei den Lehrstelleninhabern, sondern auch bei den Lehrlingen, Lehrern und Schülern, den Eltern und anderen Verantwortlichen in der Verwaltung und in der Politik. Eine Region lässt sich vernetzen, eine Lern- und Machergeneration sind kompatibel mit Rechten und Pflichten auszustatten, das archaische Prinzip "Jäger und Sammler" ist zu nutzen und vieles mehr. Auf regionaler Ebene kommen Aktivitäten in Gang, neue Arbeitsplätze werden geschaffen, Gewinne werden gemacht, die Überschüsse fließen in Bildungs- und Ausbildungsprogramme. Das ist keine Illusion oder Blauäugigkeit, wenn man weiß, wie das funktionieren kann. Viel schwieriger ist die Frage, aus welchen Gründen man das auch immer nicht will. Wir, Studenten und der Verfasser haben dazu ein Projektkonzept entwickelt, schon vor Jahren, aber bisher wollte niemand erkennen, welchen tatsächlichen Wirkungsgrad ein "Bündnis zur Sicherung des Generationenvertrages als jeweiliges regionales Aktionsprogramm: Für und mit Jugend Zukunft sichern, alles auf eine Karte, Motto: die Alten tun was" ® haben kann. Nicht die Ausübung von Druck auf Erfüllung von Leistungen und Verpflichtungen ist hier der Lösungsweg, denn der ganze Bereich der Bildung und Ausbildung ist menschlich gesehen, äußerst sensibel. Wer erinnert sich mit Glückseligkeit an seine Schul- oder Ausbildungszeit? Nun, 2004 ist es Zeit, freiwillig neue Wege auf allen Ebenen einzuschlagen, innovativ an die längst überfällige Bildungsreform heranzugehen. Wer das nicht will, trägt dafür die Verantwortung. Für ein solches "Bündnis..." braucht es keine Armee, aber Einsichtige, Verantwortliche, Aktive, Befürworter und eine Anschubhilfe (Teilinvestition), damit das System zu einem Selbstläufer werden kann, Jahr um Jahr. Wer hier einen grundlegenden Weg zur Innovation der Bildungsfrage (vgl. Ergebnisse der Pisa-Studie) in Deutschland erkennt, kann sich informieren und der Lösung auf den Grund gehen, unter htpp://www.k-ww.net. Wer will hier noch wen umlegen?