ELITE IN DEUTSCHLAND / von Burkhard Kunze


Der Begriff Elite dröhnt zur Zeit durch das Land. Elite-Universitäten braucht das Land, speziell mit mehr Geld bedacht, als üblich. Keine Rede davon, um welche Art von Elite es sich handeln soll. Geht es um eine zukünftige Machtelite, gar um eine Geburts- oder Werteelite? Das darf nicht wahr werden! Wenn in einer Demokratie eine Elite (französisch), "zu lateinisch eligere >>auslesen<<" (vgl. Brockhaus) die Geschicke Deutschlands zukünftig führen soll, dann ist die Frage, wo denn diese Elite entstehen soll? - richtig. Ausgewählte Universitäten seien der Ort der Eliteerziehung? Aber Elite kann sich erst in der Praxis ausbilden und ausweisen. Dort erst wird sich die Auslese herausbilden und beweisen können. Aber nicht einmal der Wertekatalog steht für eine derart verbindliche Orientierung fest. Wie überhaupt heute erst einmal wieder klar zu stellen wäre, welche Werte überhaupt noch zu zählen haben. Gehören die Herren Ackermann, Kirch, Kohl, Schröder, Mayer, Merz und die vielen, vielen anderen zur Elite unseres Landes? Welcher Maßstab ist bei diesen Personen anzulegen? Wenn für die Weiterentwicklung unseres Landes eine Elite notwendig sein sollte, dann - auf welcher Grundlage? Alle jetzt aktiv Verantwortlichen, haben sie je eine Elite-Universität besucht? Und was hat die Elite-Ausbildung eingebracht oder im praktischen Leben bewirkt?   Na gut, wenn man das und jenes als Eliteleistung bezeichnen will, dann haben wir Elite in unseren Reihen, das Leben und die Bildung haben ausgereicht. Es kann aber schlecht an eine Tradition angeknüpft werden, die es so bei uns nicht gibt. Schlagworte versperren den Blick für eine sich entwickelnde und vorhandene Elite. Das Problem der Eliten ist eher, sie gelten als Störenfriede, Querdenker, nicht unbedingt relevant, deswegen werden sie lieber in Nischen, Ecken, am Rande geduldet. Und wenn sie doch hervortreten, als Nobelpreisträger oder mit anderen Rühmlichkeiten, werden sie zu Schmuck erklärt und benutzt, an Festtagen getragen. Aber im politischen Alltag stellt man sie gern wieder in die Nischen zurück. Vielleicht ist Herr Gerster Elite. Bekannt ist, dass leistungsfähige, berühmte Leute auch eine persönliche Schattenseite haben, mit der man lieber nichts zu tun haben will. Dann lieber Mittelmaß? Oder bedarf es nur des gekonnten Umgangs mit derartigen Leuten, sie melken und gleichzeitig im Zaum halten. Vielleicht brauchen wir in den sogenannten Elitekreisen Dompteure. Am besten wäre es, jeder wäre sein eigener Dompteur. Demnach wäre Elite dadurch ausgezeichnet, dass sie neben ihren fachlichen Fähigkeit und überragende Leistungen vor allem die Fähigkeit besäßen, das Tier in sich selbst zu bändigen.