DIE MACHT
ODER
WAS MACHT´S?


"An die Macht wollen", "an die Macht kommen", "Macht haben", "die Machthaber", "Macht muss sein", "Machtmissbrauch" und andere Mächte, - im demokratischen Deutschland - , davon ist auffällig viel die Rede. Ganz selbstverständlich. Kampf um die Macht, wer hat Macht, wer gewinnt die Macht? Also Macht im Sinne "der Summe von Einflussmöglichkeiten". Und, was macht die Macht mit uns, dem Volk? Die Parteimitglieder haben es gut, sie identifizieren sich mit der Macht, es ist ihre Macht! In einer Demokratie? Was macht das schon? Uns macht sie ohnmächtig, wie es scheint. (Während dieses hier geschrieben wird, erscheint der stern Nr. 6 29.01.2004, mit dem Thema die Arroganz der Mächtigen von Hans-Ullrich Jörges, höchst empfehlenswert, gelesen zu werden. Und die Fotos der politischen Repräsentanten, die hier gezeigten Gesichter sind ohne Maske, kein schlechter Augenblick, sondern entlarvend! - dieser Hinweis musste gegeben werden, weil sich hier zwei Sichtweisen treffen.) Ohnmacht ist einer Demokratie unwürdig. Unser Bewusstsein heute, auch unsere Erfahrungen, sie sollten sich nicht durch Abkehr, Scheu, Widerwärtigkeit, Verdrossenheit Luft schaffen, was ohnehin nicht geht, sondern durch klares Eintreten für existenzielle Überlebensstrategien zur Sicherung der Zukunft des havarierten Luxusliners Deutschland, auf dem wir alle nur noch zahlende Passagiere sind. Ein Kapitän soll wieder einmal von Bord gehen? Nein, Großreinemachen ist angesagt. Das Versiffte, das Klebrige, die vielen dunklen Löcher, Licht muss hinein, ausgekehrt muss werden, der Dreck muss raus, kurz, es muss erst einmal klar Schiff gemacht werden, bevor unser Dampfer wieder in See stechen kann. Da aber ein richtiger Ankerplatz, geschweige ein Hafen nicht in Sicht ist, müssen die Überholungsarbeiten während der Fahrt geleistet werden, auch auf die Gefahr hin, dass so mancher und manches über Bord geht. So ungefähr kann man sich einen Ausweg vorstellen. Und was macht es in unseren Köpfen? Macht ordnet unter, sie trennt oben von unten. Schon vor Berlin hieß es in Bonn, "die Menschen draußen im Lande". Und es echote zurück, "die in Bonn" und immer wieder "die da oben". Und wir da unten? Da gab es doch einmal jemanden, der behauptete, "ich bin der erste Diener meines Staates". Er diente auf seine Weise. In einer Demokratie muss es nicht um ein unterwürfiges Dienen gehen, der Umgang mit einem demokratischen Dienen können Politiker von Kellnern und Kellnerinnen lernen! Die dienen sehr locker, aber sie dienen. "Service" ist gefragt. Politik als Dienstleistung? Natürlich, Politiker haben sich dem Dienen verpflichtet, der Souverän, wir, das Wahlvolk, hat sie, weil sie es unbedingt wollten, nach ihrer Vertrauenswürdigkeit gewählt und nicht die Steigbügel gehalten. Der Auftrag für den Politiker lautet: kümmere dich um unsere häuslichen Angelegenheiten, halte das Haus in Ordnung, halte Schäden fern und repariere rechtzeitig, wir, die Wähler haben dafür keine Zeit. Wir müssen arbeiten, Geld verdienen gehen, damit wir Euch für Eure Hausarbeit bezahlen können. Es liegt an uns, ob wir weiterhin den Blick nach oben werfen. Tief in uns immer noch der Untertanengeist? "Wir da unten"? In einem demokratischen Staat muss eine derartige Sichtweise aus den Köpfen verschwinden.   Was ist nun Macht ausüben? Reden, reden, reden, Gesetzesvorschläge entwickeln, für deren Durchsetzung kämpfen, verhandeln, Konsens bilden, Kompromisse herstellen, andere überzeugen, auf der Grundlage des eigenen Glaubens, der eigenen Interessen oder Lobbyisten? Es wird deutlich, wie souverän, nicht beeinflussbar, unabhängig ein Politiker zu sein hat. Eine Fachberatung hat er längst vor seinem Amt absolviert. In seiner Amtszeit hat er/sie die unterschiedlichen Meinungen zur Kenntnis zu nehmen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Der Wähler tut sich keinen Gefallen, wenn er dauernd an seinem Volksvertreter herumdreht. Der Tag der Rechenschaft kommt ohnehin. Aber für die Interessen der eigenen Wähler und Wahlkreis "zu kämpfen" ist ihm im Glauben, wiedergewählt zu werden, wichtiger, als das Ganze (die Existenzsicherung des ganzen Landes angesichts der globalen Probleme) im Auge zu behalten. So wird der gewählte Politiker zum Handlanger. Wer hat da die Macht? Bevor Politiker Elitehochschulen einführen können, benötigt Deutschland zunächst Elite-Politiker. Elite ist, wie Jörges im stern schreibt: "Elite ist Vorbild, Leadership." Vorbild ist nicht eine "olle" Tugend von früher, sondern existenziell. Jeder Künstler, jeder Mensch hat seine Vorbilder, die ihn zur eigenen Kunst oder Lebensform befördern. Ein Jugendlicher, der nur Suff und Gewalt im Elternhaus erlebt hat, ist auch einem Vorbild ausgesetzt worden. Der größte Feind in uns ist die Gier. Sie übersieht Erkenntnisse oder will sie nicht wissen, sie zerstört das Glück. Glück ist auch, einen souveränen, unbestechlichen Wahlkandidaten zu finden, kurz, eine Persönlichkeit, die politisches Dienen zum Wohle des Ganzen als Ehre versteht. Wähler und Gewählter müssen die Balance halten in dem was sie wollen und tun. Und Menschen, "draußen im Lande", also "wir da unten", wir gehen anschaffen, damit das Bruttosozialprodukt für alle stimmt. Das hierfür nicht mehr alle beteiligt werden müssen, aber alle nicht nur überleben, sondern Leben und eine Zukunft verlangen, zeigt deutlich, wozu Politiker aufgerufen sind, nämlich unseren Haushalt so zu ordnen und zu gestalten, dass er lebens- und liebenswürdig ist. Und darum befinden sich die, die scheinbar oben sind, unten, denn sie sind dafür verantwortlich und bestellt, für unser Wohnhaus zu sorgen. Wir sind nicht nur das Volk und die Bewohner, w i r sind die Eigentümer dieses unseres Hauses! Politiker sind nur die Hausmeister. Ein schlechter Witz: Kommt ein Bürger zum Politiker und sagt ihm: wir sind das Volk! Da antwortet der: Das könnt Ihr auch bleiben! Also Macht, was macht`s? Viel, wenn wir nicht aufpassen! Ohnmacht darf es nicht geben.