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Kassel, den 27.02.2011

 

 

Leserbrief zu

 

 „Die Mischung macht´s – Im Stadtzentrum pulsiert das Leben: Es vereint Kultur und Kommerz, Wohnen und Arbeiten“

 

Wenn man am Freitag oder Sonnabend schnell noch was einkaufen will, ist die Stadt gut besucht. Über die Woche und Monate, gewiss, man kann auch immer zufrieden sein, ist das pulsierende Leben eher schleppend.

Bevor eine Mischung Qualität erzeugt, muss noch sehr viel im Zentrum verbessert werden. Das hat die Stadt erfreulicherweise erkannt. Nur, wo anfangen? Salzmann gescheitert? Obere Königstrasse kein Geld, Friedrich-Ebert-Strasse, da soll was passieren? Was noch alles? Das Stadtbild, hier das Zentrum zeigt sich immer noch eher als ein Provisorium. Der Friedrichplatz und ein paar Nischen scheinen gelungen, werten das Gesamtbild jedoch nicht auf. Man kann sich rausreden: „Mäh sind mäh“ oder so ähnlich. Aber das schadet der Gesamtentwicklung der Stadt mitten in Deutschland, an der Durchgangstrasse Nordeuropa in den Süden und zurück. Ich hege den leisen Verdacht, es gibt hier Bewohner, denen ist das Stadtbild und alles drum rum, z. B. keine liebenswerten Cafes und anderes, mehr als egal. Sie orientieren sich andernorts. Kern allen Scheiterns ist nicht nur der Mangel an Geld.  Es scheint, als fehlte der Wille und der Geschmack, Kassel qualitativ zu einer Stadt mitten in Deutschland zu machen, deren Besuch eindrücklich überzeugt.

Gewiss, die Brüder Grimm, wieder einmal aufgelegt und zu puschen, Bergpark, Museumslandschaft und documenta alle 5 Jahre, sollen das Einkommen der Stadt erhöhen, denn die Wirtschaft allein kann die notwendigen Gelder für die Stadtgestaltung auch nicht aufbringen. Nicht zuletzt der Schuldenberg in der Stadtkasse. Andere haben auch Schulden und machen weiter, kann kein überzeugendes Argument sein.

Daum, warum sollte man nicht etwas schaffen, mit dem Kassel weitere nicht unerhebliche Einnahmen als Gewinn verbuchen kann? Schauen Sie sich, lieber Leser das Foto „Das Herz der Stadt: der Königsplatz ist Kassels gute Stube. …“ einmal genauer an. Einer älteren Dame fehlten nur noch die Geranientöpfe. Und was meinen Sie? Das Modehaus Peek & Cloppenburg rettet den Platz? Wie gesagt, man kann sich an Vorgegebenes und Vorhandenes dreinschicken, an die Wasserspeier (wohl eine Anlage von Sprenklern), die ihre Passanten unter Umständen anspritzt und nasse Füße in der Tramhaltestelle beschert, gewöhnen. Dieser Königsplatz ist insgesamt wieder einmal eine Posse.  Und der ehemalige OB Lewandowski meinte kürzlich, der Bürger habe den Königsplatz so gewollt, - Wir Bürger also Possenreißer?

Der Königsplatz ist ein nicht erkanntes ungeschliffenes Juwel. Mit ihm lässt sich Geld in die Stadtkasse Kassel schaufeln. Wie? Der Königsplatz braucht einen Königsring!

Kassel wollte sich als Kulturstadt Europas einmal sinnlich darstellen, als Stadt und  Stadtbild, als Raum, der gefühlt erlebt werden sollte. Daraus wurde nichts.

Die rund 132 m Durchmesser erlauben es, eine Rotunde (Archt. Rundbau) auf den Platz zu bauen, so hoch wie die angrenzenden Gebäude, mit Luken, Fenstern, struktureller Gestaltung und den 6 Toren, die wieder die Ausstrahlung Kassels in alle Welt  symbolisch anzeigen. Zwischen der Rotunde und den Gebäuden entseht eine Gasse, in der sich viele Boutiquen ansiedeln werden, weil dieser geschaffene Raum durch die Rotunde viele Besucher anziehen würde. Das Gefühlserlebnis in der Rotunde hat etwas Spektakuläres. Schon einmal in der Rotunde, wird man sich in Kassel umsehen wollen.

Mit der Rotunde hat man eine Open-Air-Festival-Arena gebaut. Weltweit werden sich viele Künstler finden, die für diese Arena Programme entwickeln. So werden noch einmal viele Besucher nach Kassel kommen wollen.

Die Rotunde will auch finanziert sein. Sie steht auch für ein Mahnmal gegen die Zerstörung von Städten. Kassel kann es sich leisten, ein solches Mahnmal zu errichten. Ein Mahnmal, das lebendige Aktivitäten vermittelt, Freude an der Stadt. Es dürften sich für den Bau weltweit Sponsoren finden, wenn sie zu überzeugen sind. Zum Dank werden ihre Namen in der Rotunde verewigt. Wer will sich heute nicht verewigen lassen?

Die Rotunde kann aber auch als Leuchtturm für Kassel wirken. Die Rotunde, mit Scheinwerfern bestückt, die hoch in den Himmel ragen und damit werben: HIER IST KASSEL! Nur Altvordere fühlen sich noch an Hitlers Luftabwehr erinnert. Der Leuchtturm bündelt alle Sehenswürdigkeiten, Museumslandschaft usw.. Von den Kasseler Bergen wird der Leuchtturm ebenso wahrgenommen, wie in der Luft von vorbeifliegenden Fliegern. Dann weist der Pilot nicht mehr auf: rechts unten liegt Erfurt, sondern auf links unten: das ist Kassel! - Was wollen wir mehr?

Eine verrückte Idee für Kassel? Ja, ver-rückte Sichtweisen lassen neue Perspektiven zu, zum Wohle, der Entwicklung und Ansehen der Stadt Kassel und seiner Region. Im fröhlichen Wettbewerb muss man heute klotzen, sicht kleckern.

Burkhard Kunze, Kassel