Leserbrief
Zu: „Haste mal ´nen Euro … das Haushaltsloch…“ in
STERN 44/2005
1,457 Billionen Euro Schulden, so viel hat
Deutschland, so unvorstellbar viel, dass man nur noch antworten kann: Ja und? Das
ist doch alles nur abstrakt. Wir leben doch – noch. Uns geht es doch gut,
verglichen mit anderen Ländern. Also, was soll ´ s? Das Erschrecken über die
Summe ist doch nur ein Gefühl. Der Hinweis auf die Schulden dient ausschließlich
„dem Heulen und Zähneklappern“. Das überall ein wenig gekürzt, gestrichen,
aufgeschlagen und verteuert wird, na ja, es trifft ja nur uns, wir, das Volk.
Eine andere Frage: wer ist denn eigentlich
für die Staatsverschuldung verantwortlich? Richtig: von Verantwortung kann und
dürfen wir hier nicht reden. Letztendlich wir doch alle – oder?
Haben
wir nicht für unseren Staatshaushalt Leute gewählt, die unseren Haushalt so
führen sollen, dass wir alle überleben können? Das ist doch einfach, er geht
arbeiten, „holt die Kohle ran“, sie machen den Haushalt. Hat „die Schlampe“ uns
in den vielen Jahrzehnten nur betrogen, Fehler über Fehler immer wieder schön
geredet? Wir waren von der Arbeit kaputt, die Wertschöpfung hat uns erschöpft, wir
haben nicht immer richtig und genau zugehört, wenn die Haushaltskasse mal
wieder erwähnt wurde.
Der Bund der Steuerzahler, der jedes Jahr
erneut die Schuldensumme veröffentlicht, wie ein Hagelschauer oder sollte man
vom Hurrikan „nix da“ reden, der in aller Regelmäßigkeit über uns kommt. Alle
am Haushalt Mitwirkende zogen die Köpfe zwischen ihre Schultern, wissend, in
drei Tagen ist der Schauer vorbei und alles wieder vergessen! Also: weiter so!
Und das Schöne, unsere Politiker, die ja die Haushaltsführung unbedingt haben
wollten, sie sind für ihre Fehler, den Missbrauch und was sie sonst alles be-
und getrieben haben, z. B. Milliardensummen in den Sand gesetzt, für dieses Handeln nicht zur persönlichen
Verantwortung zu ziehen. Denn schließlich ist es ja auch nicht ihr eigenes
Geld. Das Geld anderer verhaushalten tut nicht weh.
Zur persönlichen Haftung heranziehen?
Keine Chance. Aber wie wäre es denn mit einer Einsicht, einer Erkenntnis, das
wenigstens die konkrete Bereitschaft zur Wiedergutmachung, wie eine Abfindung,
die der erhält, der aus seinem Arbeitsleben ausscheiden muss? Ganz freiwillig finden
unsere Haushalter, unsere Politiker in Bund, Land und Gemeinde, aktiv oder im
Ruhestand, die Erkenntnis, eine Lösung zum Schuldenabbau muss her! Nicht das sie,
unsere Politiker, die Billion-Komma… durch globalplaying hereinbringen sollten.
Nein, nur symbolisch, sollten sie wenigstens einen kleinen Beitrag als
Wiedergutmachungsgeste leisten. Oder? Was wäre denn, wenn sie von ihren
Nettoeinkünften aller Art nur kleine 10 (zehn) Prozent monatlich in die
Schuldenkasse abführten? Was sind schon 10% bei den Einkünften unserer
Politiker? Das ist doch billig und sollte uns recht sein. Angenommen, wir schließen die Augen und
stellen uns vor, unsere Politiker sind tatsächlich bereit, diese Art von Wiedergutmachung
zu praktizieren, ein wirklicher „Ruck“ ginge durch „das Land“. Ja, dann wären auch wir bereit, abzugeben, zu
verzichten, zu ertragen, hinzunehmen, sogar zu unterstützen – unsere
Haushalter, ja sie wären unser größtes Vorbild, unsere Leitfiguren, sie würden
uns mitreißen. Ja, es würde ein Blühen und sprießen durch das Land gehen, nur
noch glühende Wangen und Stolz auf
unsere Politiker, ein Aufbruch durch die Sümpfe, raus, nach vorn, zum Licht am
Ende des Tunnels! Mehr geht nicht. - Und doch nur eine Vision. Der Verfasser
hat vergessen, wir verletzen auf keinen Fall die Besitzstandswahrung. Was - wie viel Billion,
Komma … jetzt, am 2. November 2005, 18.41 Uhr? Ach was, weit jenseits, hinter
dem Gipfel ist dieses Billiönchen und ein paar Zerquetschte doch nur noch Peanuts.
Wir sind Deutschland? So bist Du, Deutschland!
Burkhard Kunze
Kassel, 02.11.2005