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C H R I S M O N

Stichwort: im Vertrauen

 

E-Mail: im-vertrauen@chrismon.de

 

Kassel, den 10.12.2005

Ihr Thema im Februar 2006:

 

„Soll man Schimpfwörter und Kraftausdrücke aus seinem Wortschatz streichen?“, die Aufforderung, hierüber Auskunft zu geben, schafft in mir genau die Situation, die mich aufbringt, wütend macht. Also muss ich meine Wut, Empörung zum Ausdruck bringen. Allein schon die Frage, sie ist saudoof  gestellt. Darum muss ich hier in die Tasten hauen!

     Oh Scheiße, sich jetzt auch noch klar darüber werden, was aus einem täglich herausfährt? „Hergottsakra“, jetzt das alles streichen? Die „bösen“ Wörter. Die unseren Wortschatz so griffig machen, ein solches Wort kann genügen, um das Gegenüber zum Einhalt zu zwingen. Deshalb spricht man hier auch von Kraftausdrücken. Die Kraft des Wortes macht uns zum „Sieger“! Herrlich, Schimpfwörter! Ich kann so richtig ablassen, Dampf geben, raus, raus, raus mit dem „Frust“, dem Ärger, dem Schmerz? Bin ich ein Trottel, ich soll der Zicke schreiben, ich werde die Kraftausdrücke und Schimpfwörter bewusst streichen? Oder, ich darf sie nur denken? Sack Zement noch mal, wo leben wir eigentlich? – Schimpfwörter nur denken, das bedeutet doch, verdammt, ihr seid da, aber ihr dürft nicht raus! Ist das nicht gefährlich? Ist das nicht wie Kalkablagerung in den Halsschlagadern? Und was kommt danach?

    Also mal ehrlich, wenn mir jemand auf die Zehen tritt, dann spüre ich Schmerz. War es unbeabsichtigt, wird der andere sich umgehend entschuldigen, wie im Gedränge auf der Straße zum Beispiel. Aber die andern, der Vater, der Lehrer, die Ehefrau oder der Lebenspartner, der Lehrmeister, der Arbeitskollege, der Chef – zur Hölle mit euch, lass´t mich in Frieden(!). Langt einer zu, in der Regel hält keiner die zweite Wange hin, entweder er schlägt zurück oder er läuft weg.

     Schimpfwörter, Kraftausdrücke sind die Verbalisierung von subjektivem emotionalem Schmerz, ob zu Recht oder zu Unrecht ist unerheblich. Ihre Anwesenheit in mir signalisiert den Überdruck, der mich aufheizt, der muss raus! Ärger, Wut und anderes einfach schlucken, führt zu Verstopfungen. Angehäuft führen sie zu späteren explosiven Krachern (Wutausbrüche).

     Schimpfwörter, Kraftausdrücke werden schon recht früh auf der Straße gelernt. Das lässt sich weder verhindern noch verbieten.  Und durch Selbstbeherrschung ablegen? Es  ist eine Sache des persönlichen Temperaments und kaum eine von Vernunft und Einsicht. Wem gegenüber man sich „auskotzt“ bestimmt situationsgebunden das Gegenüber oder meine Übellaunigkeit. Chef und Mitarbeiter, Lehrer und Schüler, hier stellen sich in der Regel abgeschwächte Modifizierungen ein. Müssen wir so weiterleben? Ich denke, ja! Wenn es anschließend auch Verstimmungen, Ärger oder Folgen haben kann, nun ja, deshalb gehört zum Schicksal oder zur Natur des Menschen der Konflikt. Konflikte lassen sich nicht vermeiden. Sie sind hochemotional und subjektiv. Aus dem Schlamassel herausfinden, hat etwas mit Konfliktfähigkeit zu tun und die kann man lernen! Wie eine Lok nicht nur vorwärts fahren kann, kann auch ein Konflikt zurückgefahren werden. Verdammt, ist das klar?

     Anders ist es mit der ständigen Anwendung des Wortschatzes aus dem Bereich der Schimpfwörter und Kraftausdrücke zu allem und in jedem Moment. Die Anglikaner und in den romanischen Ländern sind sexistische Schimpfwörter gang und gebe, „fuck you!“. In Mitteleuropa findet die Fäkalsprache  („Scheiße“ „oder so“) Ausdruck.  Schimpfwörter und Kraftausdrücke werden schon in frühen Jahren einverleibt (schakref hullärra!“ oder so ähnlich, polnischer Fluch, hat der Verfasser dieser Zeilen schon mit vier/fünf Jahren aufgeschnappt. Das hat zwar nichts geholfen, ist aber bis heute hängen geblieben). Kinder haben sogar Spaß daran, sich verbotene Ausdrücke und Schimpfwörter einzuverleiben. Und wenn sie erst einmal drin sind, kommen sie immer raus, wenn es zu passen scheint. So wird die Alltagssprache schnell zur angewöhnten  Schimpfkanonade. Schon der junge Mensch will damit seine subjektiven Interessen durchsetzen oder sich Unannehmlichkeiten vom Leibe halten. Auf der Strasse aufgelesen funktioniert allem Anschein nach schneller als Vokabeln in der Schule lernen. Als verbale Waffe eingesetzt, können sie unter Umständen Prügeleien verhindern. Diese frühkindlichen Prägungen sind zwar „beschissen“, dennoch, sie erfüllen ihren Zweck und das ist „geil“ so!          

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