Kassel, den 03.04.04
Angebot zur Veröffentlichung in der HNA als Kolumne und Anregung für eine neue Rubrik, nach Bedarf: "Der Bürger denkt mit, die Bürgerin findet ...." © 2004 by Burkhard Kunze

Hier: Bänkerquaos von Burkhard Kunze

Das ist natürlich. Jeder sucht seinen Platz an der Sonne, besonders, wer im Schatten sitzt. Da wünscht man sich seine Bank auf der Sonnenseite. Nicht von den Banken ist die Rede, sondern von den Bänken in der Karlsaue vor der Orangerie. Kein Wunder, dass diese Wiese so viele Leute anzieht. Eine wunderschöne Oase und schon so alt. Die Parkbankbenutzer, das erinnert an Parkgebühreneinzugsnotwendigkeit, also besser, die Bänker, die Sonnenschein wollen, helfen sich nach dem Motto: Du kannst tun und lassen, was du willst! Also "tun" sie die Bänke vom angestammten Platz auf die Wiese und "lassen" sie dort stehen oder liegen, wenn sie die Wiese verlassen. Das ist Chaos, verursacht von Bänkern, also Bänkerquaos! Mit dem Gefühl totaler Freiheit und Individualität hat das nichts zu tun. Was mir nützt, gebrauche ich, wenn nicht mehr, lasse ich es liegen. Sind wir wie die Hunde? Ihr und wir alle gucken heute genau, welche Klamotten wir anziehen. Wir wollen gut oder cool aussehen. Wohl kaum einer wird den Schlips von seinem Alten umhängen, kein Mädchen den gebrauchten "Pettingcoat" der Mamma. Keiner von uns wird sich Mantelknöpfe an den Hosenschlitz nähen oder Felgen. Passt einfach nicht. Und die Karlswiese ist wie ein barockes Kleid geschneidert, alles an der richtigen Stelle. So auch die Parkbänke. Wollen wir, dass auch sie in Ketten gelegt werden? Es genügt, das Herrchen, Frauchen und Hun-chen an der Leine geführt werden sollten. Denn die scheißen auch noch auf das herrliche Barockkleid, an das wir uns gern kuscheln.