| Das ist natürlich. Jeder sucht seinen Platz an der
Sonne, besonders, wer im Schatten sitzt. Da wünscht man sich seine Bank
auf der Sonnenseite. Nicht von den Banken ist die Rede, sondern von den
Bänken in der Karlsaue vor der Orangerie. Kein Wunder, dass diese Wiese so
viele Leute anzieht. Eine wunderschöne Oase und schon so alt. Die
Parkbankbenutzer, das erinnert an Parkgebühreneinzugsnotwendigkeit, also
besser, die Bänker, die Sonnenschein wollen, helfen sich nach dem Motto:
Du kannst tun und lassen, was du willst! Also "tun" sie die
Bänke vom angestammten Platz auf die Wiese und "lassen" sie dort
stehen oder liegen, wenn sie die Wiese verlassen. Das ist Chaos, verursacht von
Bänkern, also Bänkerquaos! Mit dem Gefühl totaler Freiheit und
Individualität hat das nichts zu tun. Was mir nützt, gebrauche ich,
wenn nicht mehr, lasse ich es liegen. Sind wir wie die Hunde? Ihr und wir alle
gucken heute genau, welche Klamotten wir anziehen. Wir wollen gut oder cool
aussehen. Wohl kaum einer wird den Schlips von seinem Alten umhängen, kein
Mädchen den gebrauchten "Pettingcoat" der Mamma. Keiner von uns
wird sich Mantelknöpfe an den Hosenschlitz nähen oder Felgen. Passt
einfach nicht. Und die Karlswiese ist wie ein barockes Kleid geschneidert,
alles an der richtigen Stelle. So auch die Parkbänke. Wollen wir, dass
auch sie in Ketten gelegt werden? Es genügt, das Herrchen, Frauchen und
Hun-chen an der Leine geführt werden sollten. Denn die scheißen auch
noch auf das herrliche Barockkleid, an das wir uns gern kuscheln. |